geschlossene
Kurven

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Gestalten mit geschlossenen Linien, Polygonen und Kurven

Bisher haben wir unser Augenmerk ganz auf die einfache Linienführung gelegt. Gleichzeitig haben wir aber auch eine weitere Eigenschaft von Linien mit einbezogen, ohne sie näher zu erwähnen. Wir haben z.B. ein Quadrat konstruiert. Dabei war erst einmal wichtig, dass die gegenüberliegenden Seiten parallel verlaufen. Was wir bisher nicht berücksichtigt haben ist, dass es sich bei dem Quadrat um eine geschlossene Linie handelt. Eine Eigenschaft von geschlossenen Linien ist es, dass sie weder einen Anfang, noch ein Ende der Linie erkennen können. Mit den bisherigen Zeichenmitteln können wir beliebige geschlossene Linien zeichnen. Dabei müssen sie nur darauf achten, dass die Anschlusspunkte exakt übereinstimmen.

    Hinweis: CorelDraw hat in seinen Grundeinstellungen im Bereich KURVEN den Punkt AUTOJOIN. Hier legen Sie fest, ab welchen Abstand eines Anfangspunkt und eines Endpunktes einer Linie das Programm beide Punkte zu einem Punkt verschmelzt. Mit der Grundeinstellung 5 Pixel lässt sich gut leben. Für sie ist wichtig zu wissen, dass sie die Einfangautomatik nach Bedarf einstellen können. Vom automatischen Anschluss haben wir schon vorher beim Zeichnen von Polygonen Gebrauch gemacht. Dort wurden zwei und mehr Linien zu einem Polynom miteinander verbunden, jetzt schließen wird eine offene Linie. 

Besondere geschlossene Linien wie Rechtecke, Ellipsen, abgerundete Rechtecke und Kreissegmente werden bei Konstruktionen und grafischen Darstellungen sehr häufig verwendet. CorelDraw hat dafür auch eigens 2 Zeichenwerkzeuge. Betrachten wir die Natur als Zeichnerin von Kristallen, Körpern und Organismen, so können wir beobachten, dass sie sehr wenig offene Linien für die Darstellung natürlicher Zusammenhänge verwendet. Die meisten offenen Linien kommen scheinbar im Bereich des Lichtes, der Optik vor. Auch in den vom Menschen geschaffenen Bereichen, z.B. in der Technik, sind geschlossene Linien das bevorzugte Darstellungsmittel.

Um zu verstehen, warum wir Menschen geschlossene Linien bevorzugen, hier ein paar Grundlagen aus dem Bereich der menschlichen Wahrnehmung:

Vielleicht erinnern sie sich an Kinderzeichnungen oder Bilder aus der modernen Kunst oder Computerbilder, wo Ihr erster Eindruck erst nur ein zusammenhangloses Gewirr von Farben und Formen ist. Sie können sich dabei ertappen, wie Sie versuchen, Teile des Bildes zu einer Figur zusammen zu fassen. Je mehr Ihnen das gelingt, um so zufriedener werden sie das Werk weiter betrachten und auf die Suche nach neuen Figuren, Zusammenstellungen gehen.

Dies beruht auf einer Eigenschaft, wie wir aufgenommene visuelle Informationen weiterverarbeiten. Wenn es das optische Material für unsere Wahrnehmung möglich macht, dann fügen wir in unserer Vorstellung einzelne Teile der Darstellung immer zu einem Wahrnehmungsganzen zusammen. Dabei ist uns egal, ob es sich grundsätzlich um offene oder geschlossene Linien handelt. Hauptsache ist, dass die Linien irgendwie für uns sinnvoll zusammen passen. Vor unserem geistigen Auge setzen wir das Gesehene wie ein Puzzle zusammen. Wenn wir das Gesamte dann bewusst anschauen, muss nicht einmal mehr für uns sichtbar sein, aus welchen einzelnen Teilen sich die Gestalt letztlich zusammensetzt. Für uns sind also die einzelnen Teile nicht von visueller Bedeutung, wenn sie eine globale Komposition ermöglichen.

Bild 2.28: Zusammensetzung

Wenn sie die linke Figur betrachten und versuchen herauszufinden, aus welchen Teilstücken diese Figur zusammengesetzt sein kann, so werden Ihnen bestimmt als Formen fünf Quadrate und vier Dreiecke einfallen. Auf die dargestellte Zusammensetzung im rechten Teil der Abbildung werden Sie erst nicht tippen.

In diesem Anschauungsbeispiel zeigt sich deutlich, dass wir Linien, Gestalten zu einem neuen Ganzen zusammenzusetzen. Ist die Zusammensetzung vollzogen, ist es möglich, dass wir die Einzelteile erst einmal nicht mehr erkennen.

Dieses wichtige Wahrnehmungsphänomen, dass sie sich auch bei Abbildungen zu Nutze machen können und sollten, bedeutet allgemein:

Wir haben stets die Tendenz in unserer Vorstellung Gestalten, Formen zu einer Gesamtgestalt zusammenzufassen, wenn das Ergebnis für uns dann regelmäßiger, symmetrischer, einfacher und geschlossener ist. Beim Betrachten eines Objektes sind wir immer wieder bestrebt, eine Ordnung zu schaffen, einzelne Elemente zu einer neuen Gestalt zusammenzufassen. Je einfacher und regelmäßiger das neue Formangebot ist, um so eher wird es von uns auch als Form erkannt und bewertet.

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